06.02.2026
Steiermärkische Landesregierung beriet mit Experten Stromausfall-Gefahr - auch als Folge von Terroranschlägen.
Graz (5. Februar 2026).- Anfang Jänner 2026 wurde ein Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz mutmaßlich von einer linksextremistischen Organisation verübt, der zu einem tagelangen Stromausfall in 45.000 Haushalten und 2.200 Betrieben im Südwesten der deutschen Hauptstadt geführt hat. Diesen folgenschweren Zwischenfall nahm Landeshauptmann Mario Kunasek zum Anlass, um Experten zu einem Sicherheitsgipfel „Blackout und Extremismus“ heute, Donnerstag, den 5. Februar 2026, in den Weißen Saal der Grazer Burg einzuladen. Tenor der Beratung: Die Steiermark ist zum einen für den Fall eines Blackouts gut vorbereitet, zum anderen sind die Stromnetze sicher und stabil. So kommt es pro Jahr zu nicht mehr als 20 bis 30 Minuten an Stromausfall in unserem Bundesland. Extremistische Anschläge können dennoch nicht ausgeschlossen werden. Daher ist die private Versorge eine wesentliche Säule, um ohne Strom den Alltag bewältigen zu können.
An den Beratungen über das dennoch bestehende Risiko von Blackouts und die Qualität der Vorsorge nahmen neben Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom auch Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl für den Bereich der Landesspitäler, die Mitglieder der Landesregierung Claudia Holzer, Willibald Ehrenhöfer, Stefan Hermann und Hannes Amesbauer sowie Landesamtsdirektorin Brigitte Scherz-Schaar teil.
Die Landtagsklubs waren mit den Klubobleuten bzw. Stellvertretern im Weißen Saal präsent: Marco Triller, Lukas Schnitzer, Stefan Hofer, Sandra Krautwaschl, Claudia Klimt-Weithaler und Niko Swatek.
Landespolizeidirektor Gerald Ortner und der Leiter des Landesamtes für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung Steiermark, Rupert Meixner, sowie der Militärkommandant Heinz Zöllner berichteten über Erkenntnisse und Maßnahmen in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen.
Über den Stand der Sicherheitsvorkehrungen in den Energienetzen berichtete Roland Bergmayer als technischer Betriebsleiter der Energienetze Steiermark GmbH. ORF-Landesdirektor Gerhard Koch schilderte die Vorbereitungen des ORF für den genannten Ernstfall, während Harald Eitner, Leiter der Fachabteilung Katastrophenschutz, über die landesinternen Vorsorgemaßnahmen für ein Blackout berichtete.
Die Energie Steiermark wurde von Vorstandsdirektor Werner Ressi vertreten. Für die Einsatzorganisationen nahmen Landesfeuerwehrkommandant Reinhard Leichtfriedund Rotkreuz-Präsident Siegfried Schrittwieser am Sicherheitsgipfel teil.
Statements im Rahmen der anschließenden Pressekonferenz:
Landeshauptmann Mario Kunasek bedankte sich bei allen Teilnehmern und betonte: „Blackouts sind eine reale Gefahr. Der gezielte Anschlag in Berlin, mutmaßlich von einer linksextremen Gruppe verübt, ist ein Beleg dafür. Auch wir in der Steiermark hatten nach Unwettern im Murtal im Dezember 2023 längere Stromausfälle, haben daraus aber Konsequenzen gezogen. Dieser Sicherheitsgipfel zeigt die Zusammenarbeit und Professionalität, um die Steiermark auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu halten. Als Industriestandort haben wir eine besonders hohe Verantwortung. Ich bin froh, sagen zu können, dass wir in der Steiermark gut vorbreitet sind. Blackoutvorsorge ist aber niemals abgeschlossen und daher eine gemeinsame Aufgabe für Bund, Länder und Gemeinden sowie jeden einzelnen.“
Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom hob hervor: „Sicherheit ist eine zentrale Aufgabe des Staates, die uns in der Politik laufend beschäftigt. Sicherheit, auch Versorgungssicherheit, ist für die Menschen, aber auch die Unternehmen von zentraler Bedeutung. Wir sind in der Steiermark auf einem guten Weg. Als Land Steiermark unterstützen wir auch die Gemeinden, die eine wichtige Aufgabe erfüllen und mit denen wir gemeinsamen für den Ernstfall üben. Darüber hinaus haben wir auch in den Pflegeheimen für eine entsprechende Notstromversorgung gesorgt. Aber auch die private Vorsorge ist wichtig. Hier müssen wir noch mehr Bewusstsein schaffen.“
Landespolizeidirektor Gerald Ortner betonte, „dass wir es mit einer komplexen und dynamischen Bedrohungslage zu tun haben. Wir müssen diese Entwicklungen sehr ernst nehmen, denn wir sehen, dass der Extremismus in drei verschiedenen Erscheinungsformen auftritt. Zum einen ist das der islamistische Extremismus, hier sind Österreich und die Steiermark keine Inseln der Seligen. Er ist die größte Gefahr in der Steiermark. Beim Rechtsextremismus sehen wir eine zunehmende Radikalisierung im Internet, während sich Linksextremismus und islamistischer Extremismus annähern.“ Ortner verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Initiativen zur Extremismusprävention in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Schulen und Universitäten.
Der Leiter der Fachabteilung Katastrophenschutz und Landesverteidigung, Harald Eitner, wies in seinen Ausführungen darauf hin, „dass die Steiermark eine Vorreiterrolle in Sachen Blackout-Vorsorge unter den Bundesländern eingenommen hat. Seit 2019 gibt es verschiedenste Initiativen und seit 2024 einen umfassenden Blackout-Plan für das gesamte Bundesland.“ Eitner wies auf die gesetzlichen Maßnahmen zur Notstromversorgung in Pflegeheimen hin. Weiters seien mittlerweile alle Bezirkshauptmannschaften notstromversorgt, wichtige Landeseinrichtungen abgesichert, krisensichere Kommunikationsverbindungen zwischen Landeswarnzentrale, Landesfeuerwehrzentrale und Rotkreuz-Landesleitstelle etabliert.
Hingewiesen wurde im Rahmen des Sicherheitsgipfels nicht nur auf die Verantwortung öffentlicher Einrichtungen, sondern auch auf die Rolle der Bevölkerung im Zusammenhang mit der Vorsorge für den Stromausfall. Um das Bewusstsein dafür in der Steiermark zu stärken, leiste der Zivilschutzverband wichtige Arbeit und biete Schulungen und Kurse dazu an.
Ein wichtiger Beitrag zur Krisensicherheit ist die Verfügbarkeit von Bargeld, da bargeldloses Bezahlen im Falle eines Stromausfalls logischerweise nicht möglich ist. Zu regeln ist aus Sicht der Experten darüber hinaus u.a. die Notstromversorgung der Tankpumpen bei Tankstellen, die Normierung von Notstrom-Nachrüstung bei Fahrstühlen sowie die Versorgung gestrandeter Passagiere in Zügen und Flugzeugen. Landeshauptmann Kunasek kündigte an, diese Themen zum Gegenstand der Beratungen bei der nächsten Landeshauptleutekonferenz zu machen.
Gesamtsteirischer Blackout-Plan in Kraft:
In den letzten Jahren wurde der „Gesamtsteirische Blackout-Plan“ erarbeitet, der alle blackoutrelevanten Bereiche in der Steiermark miteinander verknüpft. Im Juni 2023 wurde bereits der „Blackout-Maßnahmenplan für die Steirische Landesverwaltung“ in Kraft gesetzt. Als erstes Bundesland Österreichs hat die Steiermark darin geregelt, welche Aufgaben unter welchen Rahmenbedingungen von der Landesverwaltung im Blackout-Fall zu vollziehen sind.
Der „Gesamtsteirische Blackout-Plan“ stellt den zweiten Schritt der Blackout-Vorbereitungen des Landes Steiermark dar. Er ist eine präzise Bestandsaufnahme für die Jahre 2023 und 2024 in Bezug auf die Blackout-Resilienz aller relevanten Branchen und Lebensbereiche. In seinen 48 Kapiteln wird die Blackout-Resilienz in der Steiermark detailliert beschrieben und regelmäßig evaluiert.
(Pressemitteilung, 06. Februar 2026, Das Land Steiermark)