14.01.2026
Gemeinderat beschließt weiteren Schritt im konsequenten Umgang mit historisch belaste-
ten Straßennamen
Der Grazer Gemeinderat beschließt in seiner kommenden Sitzung die Umbenennung der Dr.-
Karl-Lueger-Straße in Maria-Matzner-Straße. Damit setzt die Stadt Graz ihren klaren und
konsequenten Weg im Umgang mit historisch schwer belasteten Straßennamen fort.
Karl Lueger gilt als eine der zentralen politischen Figuren des institutionalisierten Antisemi-
tismus in der Habsburgermonarchie. Sein Antisemitismus war kein Randaspekt, sondern be-
wusst eingesetztes politisches Programm. Die nach ihm benannte Straße wurde von der Ex-
pert:innenkommission Straßennamen als „sehr problematisch“ eingestuft. Auf dieser Grund-
lage wurde das formelle Umbenennungsverfahren eingeleitet und nun abgeschlossen.
Der Umbenennung ist ein längerer, sorgfältiger Beteiligungsprozess vorangegangen, der
maßgeblich von Gemeinderat Tristan Ammerer (Grüne) initiiert und begleitet wurde. In en-
gem Austausch mit dem Bezirk wurden Stellungnahmen der Bezirksvertretung eingeholt,
eine Stadtteilversammlung mit historischer Einordnung organisiert und zuletzt eine umfas-
sende Unterschriftensammlung unter den Anrainer:innen durchgeführt – mit Zustimmung
ebenso wie mit Ablehnung.
„Wir waren an jeder Haustüre und haben das Gespräch gesucht, einen Namensvorschlag
nach Rückmeldung der Anrainer verworfen und drei neue präsentiert. Ich bin froh, dass wir
als Stadt eine so beeindruckende Persönlichkeit wie Maria Matzner würdigen können“, so
Ammerer.
Die Namensgeberin der Straße, Maria Matzner (1902–1987), war eine zentrale Figur des so-
zialdemokratischen Widerstands gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Trotz
mehrfacher Verhaftungen blieb sie politisch aktiv, engagierte sich nach 1945 maßgeblich am
Wiederaufbau der Demokratie und wurde 1950 als erste Landesrätin Österreichs politisch
wegweisend.
Bürgermeisterin Elke Kahr
„Ich bin dankbar, dass mit Maria Matzner eine so beeindruckende und mutige Frau auf diese
Weise gewürdigt wird.“
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner:
„Mit Maria Matzner bekommt diese Straße den Namen einer Frau, die für demokratische
Haltung, Widerstand gegen Unrecht und politischen Gestaltungswillen steht. Dass wir bei der
Umbenennung von historisch belasteten Straßennamen, Frauen, die unsere Stadt und unser
Land positiv geprägt haben, sichtbarer machen, ist mir dabei ein besonderes Anliegen.“
SPÖ Graz Parteivorsitzende Doris Kampus:
„Die Umbenennung belasteter Straßennamen in Graz wird fortgesetzt und ist ein klares poli-
tisches Bekenntnis, diesmal zu Ehren von Maria Matzner. Mit ihr würdigen wir eine Wider-
standskämpferin, Gewerkschafterin und Sozialpolitikerin, deren Lebenswerk genau jene
Werte verkörpert, für die Graz heute stehen will.“
(Pressemitteilung, 19. Dezember 2025, Stadt Graz)